Galloway in Deutschland
*English *Deutsch
letzte Aktualisierung: 18.09.2007
Über unsere Galloways
Seit 1992 züchten wir im Tal der Bobritzsch im sächsischen Niederbobritzsch Galloways. Mittlerweile umfasst die Herde 90 Belted Galloways, davon über 30 Mutterkühe. Die Tiere werden auf insgesamt 60 ha extensiv genutztem Grünland gehalten. Die Bewirtschaftung erfolgt dabei nach den Regeln des ökologischen Landbaus der Gäa.
Kuh mit Kalb
Kuh Bärbel mit Kalb
Im Sächsischen Rinderzuchtverband (SRV) sind derzeit 806 Gallowayrinder von 58 Züchtern registriert. Unsere Herde ist damit eine der größten in Sachsen. Zu Beginn des Jahres 1992 wurden durch den SRV neben 25 Black Galloways auch vier Belted Galloways aus ganz Deutschland angekauft, dabei überwogen die Zukaufsgebiete Schleswig-Holstein und Bayern. Nachdem anfangs die schwarzen Galloways in der Überzahl waren, haben wir im laufe der Jahre den Anteil der Belted Galloways gezielt erhöht und züchterisch weiterentwickelt. Die Belties stammen seitens der Mütter von der Herde Miss Flora Stewarts von Old Place of Mochrum ab. Mittlerweile befindet sich noch eine Mutterkuh aus dem anfänglichem Zukauf im Zuchteinsatz. Sigrun ist mit 16 Jahren und 14 Kälbern unsere älteste und fruchtbarste Kuh.
Mutterkuherde
Mutterkuhherde mit Kälbern
Wir züchten inzwischen nur noch Belted Galloways aus schottischen Blutlinien. Zur Blutauffrischung wurden gezielt schwarze Galloways ausgewählt und mit Belted Galloways angepaart. Unter besonderer Beachtung der Kombinationseignung der einzelnen Linien werden Zuchtprodukte spezieller Eignung erzielt. Mit unserem neuen Zuchtbullen Gold Mercur, welcher Rotfaktorträger ist, wird versucht die schlummernden roten Gene in unseren Kühen zu wecken und somit einige der sehr attraktiven roten Belties in unsere Zucht zu bekommen.
Im verlaufe der Jahre hat sich ein eigenes Bewirtschaftungssystem der Herden im Management als vorteilhaft erwiesen. In der Regel stehen vier größere Koppeln zur Verfügung. Anfang Oktober werden die Herden nach den Geschlechtern der Kälber getrennt und in Verbindung damit eine ganzheitliche Parasitenbehandlung im Zusammenhang mit der regelmäßigen Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei spielen Gesichtspunkte wie die Gewährleistung einer Säugedauer von 11 Monaten und der Ausschluss von ungewollten, zu frühen Trächtigkeiten eine wichtige Rolle. Ziel ist dabei die Herstellung von stabilen Herdenverbänden, denen auch die männlichen bzw. weiblichen Jungrinder zugeordnet werden, sodass im Winter nur zwei räumlich getrennte Herden bestehen.
Futterplatz
Fütterungsplatz im Winter
Im Februar werden in Vorbereitung auf die Abkalbeperiode, die Ende März beginnt, die Kälber abgesetzt und die Mutterkühe in die Nähe des Hofes gebracht um eine problemlose Abkalbung zu gewährleisten und bei Komplikationen einzugreifen. Auf eine zusammengedrängte Abkalbeperiode von Ende März bis Mitte Mai wird großer Wert gelegt. Mit Beginn der Weideperiode kommen die Kühe mit den Kälbern auf die Koppeln. Entsprechend den Abkalbe- und Aufzuchtsergebnissen erfolgt die Zuordnung der Zuchtbullen zu den Herden im Juni. Parallel zu den Mutterkuhgruppen, werden eine Färsen- und eine Jungbullengruppe räumlich getrennt gehalten und gesondert bewirtschaftet, um die Stabilität der Herdenverbände in der Weideperiode zu gewährleisten und Beunruhigungen zu vermeiden. Die räumliche Trennung wird dabei durch angelegte Hecken mit ausreichend Sichtschutz gewährleistet. Es wird jedoch vermieden, dass Herden mit Zuchtbullen nebeneinander stehen.
Mutterkühe
Mutterkühe beim Grasen im trockenen Sommer 2003
Durch die guten Boden- und Futterverhältnisse auf unseren Weiden erreichen die Jungrinder schon eher höhere Gewichte als in der Heimat Schottland. Das Erstbelegungsalter für Galloways soll laut Literatur bei ungefähr 350 kg oder 24 Monaten liegen. Da in unserem Betrieb dies Gewicht aber schon mit 19 oder 20 Monaten erreicht wird, wird die Belegung meist eher durchgeführt, welches ein früheres Erstkalbealter zur Folge hat.
Gold Mercur
Unser Zuchtbulle Gold Mercur mit einigen Kühen
Die aus dem Südwesten Schottlands stammende klein- bis mittelrahmige Rinderasse wurde in den 70er Jahren nach Deutschland eingeführt und ist mittlerweile überall verbreitet. Da die Tiere in der Vergangenheit auch in Schottland genetisch wenig verändert wurden, besitzen sie nahezu alle Eigenschaften, die für eine artgerechte ganzjährige Freilandhaltung und eine ökologische Grünlandbewirtschaftung erfolgversprechend sind. Eine hohe Fruchtbarkeit, Leichtkalbigkeit und gute Muttereigenschaften sowie eine geringe Todgeburtenrate sind Eigenschaften, die für eine gute Wirtschaftlichkeit Voraussetzung sind. Darüber hinaus benötigen die Tiere keine festen Ställe, sondern lediglich etwas Schutz vor extremer Witterung und festen Untergrund bei der Winterfütterung um einer Zerstörung der Grünlandnarbe vorzubeugen.
Bullenkalb
Ein erst einen Tag altes Kalb
Eine besondere Bedeutung kommt dem Galloway aufgrund seiner rassespezifischen Eigenschaften als Landschaftspfleger im Naturschutz zu. Bei schwachem Weidebesatz unter 1.0 GVE und unter Verzicht auf mineralischen Dünger ist in der Regel ein Anstieg einer Vielzahl der Pflanzenarten um 30 - 40% zu verzeichnen. Die geringen Trittschäden, der schonende Verbiß, die Anspruchslosigkeit der Galloways bis zur Aufnahme von Binsen, Disteln und vielen anderen Wildkräutern sind wichtige Forderungen der Botaniker und Ornithologen im Natur- und Landschaftsschutz.
Neben dem positiven Einfluß auf die Flora hat die extensive Beweidung mit Galloways ebenso positive Auswirkungen auf die Fauna. Bietet die reichhaltigere Flora vielen Insekten und Schmetterlingen und damit auch zahlreichen Vogelarten Nahrung, so sorgen die Exkremente der Tiere für ein reichhaltiges Bodenleben, welches wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Tiere und auch für Zugvögel darstellt. Galloways sind mit ihrer ganzjährigen Beweidung in Form einer Standweide ein Ersatz für die Hütehaltung der Rinder in den vergangenen Jahrhunderten. Sie können dadurch mithelfen, die durch die Industralialisierung der Landwirtschaft hervorgerufenen Floren- und Faunenschnitte zu vermindern.
Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler hat anlässlich der Weltgallowaykonferenz im Jahre 1998 den Ausspruch geprägt. „Das Galloway ist das Synonym für die gemeinsame EU-Agrarpolitik.” Wir sollten uns klar darüber werden, daß es nicht mehr lange möglich sein wird, einerseits Steuermittel in Größenordnungen für Flächenstilllegungen und andererseits für Interventionskäufe auszugeben. Das Galloway ist nicht nur eine sinnvolle, sondern auch eine wirtschaftliche Alternative im Konflikt von Flächenstillegung und intensiver Landwirtschaft.
Die besten Anzeigeergebnisse bei dieser Seite erhalten Sie mit dem sicheren Browser Mozilla Firefox, den Sie auf www.mozilla-europe.org kostenlos laden können.