Seit 1992 züchten wir im
Tal der
Bobritzsch im
sächsischen Niederbobritzsch Galloways. Mittlerweile umfasst
die Herde 90 Belted Galloways, davon über 30 Mutterkühe.
Die Tiere werden auf insgesamt 60 ha extensiv genutztem Grünland
gehalten. Die Bewirtschaftung erfolgt dabei nach den Regeln des
ökologischen Landbaus der
Gäa.

Kuh Bärbel mit Kalb
Im
Sächsischen Rinderzuchtverband (SRV) sind derzeit 806
Gallowayrinder von 58 Züchtern registriert. Unsere Herde ist
damit eine der größten in Sachsen. Zu Beginn des Jahres
1992 wurden durch den SRV neben 25 Black Galloways auch vier Belted
Galloways aus ganz Deutschland angekauft, dabei überwogen die
Zukaufsgebiete Schleswig-Holstein und Bayern. Nachdem anfangs die
schwarzen Galloways in der Überzahl waren, haben wir im laufe
der Jahre den Anteil der Belted Galloways gezielt erhöht und
züchterisch weiterentwickelt. Die Belties stammen seitens der
Mütter von der Herde Miss Flora Stewarts von Old Place of
Mochrum ab. Mittlerweile befindet sich noch eine Mutterkuh aus dem
anfänglichem Zukauf im Zuchteinsatz. Sigrun ist mit 16 Jahren
und 14 Kälbern unsere älteste und fruchtbarste Kuh.

Mutterkuhherde mit Kälbern
Wir züchten inzwischen nur noch Belted Galloways aus schottischen
Blutlinien. Zur Blutauffrischung wurden gezielt schwarze Galloways
ausgewählt und mit Belted Galloways angepaart. Unter besonderer
Beachtung der Kombinationseignung der einzelnen Linien werden
Zuchtprodukte spezieller Eignung erzielt. Mit unserem neuen
Zuchtbullen Gold Mercur, welcher Rotfaktorträger ist, wird
versucht die schlummernden roten Gene in unseren Kühen zu wecken
und somit einige der sehr attraktiven roten Belties in unsere Zucht
zu bekommen.
Im verlaufe der Jahre hat sich ein eigenes
Bewirtschaftungssystem der Herden im Management als vorteilhaft
erwiesen. In der Regel stehen vier größere Koppeln zur
Verfügung. Anfang Oktober werden die Herden nach den
Geschlechtern der Kälber getrennt und in Verbindung damit eine
ganzheitliche Parasitenbehandlung im Zusammenhang mit der
regelmäßigen Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei
spielen Gesichtspunkte wie die Gewährleistung einer Säugedauer
von 11 Monaten und der Ausschluss von ungewollten, zu frühen
Trächtigkeiten eine wichtige Rolle. Ziel ist dabei die
Herstellung von stabilen Herdenverbänden, denen auch die
männlichen bzw. weiblichen Jungrinder zugeordnet werden, sodass
im Winter nur zwei räumlich getrennte Herden bestehen.

Fütterungsplatz im Winter
Im Februar werden in Vorbereitung auf die Abkalbeperiode, die Ende März
beginnt, die Kälber abgesetzt und die Mutterkühe in die
Nähe des Hofes gebracht um eine problemlose Abkalbung zu
gewährleisten und bei Komplikationen einzugreifen. Auf eine
zusammengedrängte Abkalbeperiode von Ende März bis Mitte
Mai wird großer Wert gelegt. Mit Beginn der Weideperiode kommen
die Kühe mit den Kälbern auf die Koppeln. Entsprechend den
Abkalbe- und Aufzuchtsergebnissen erfolgt die Zuordnung der
Zuchtbullen zu den Herden im Juni. Parallel zu den Mutterkuhgruppen,
werden eine Färsen- und eine Jungbullengruppe räumlich
getrennt gehalten und gesondert bewirtschaftet, um die Stabilität
der Herdenverbände in der Weideperiode zu gewährleisten und
Beunruhigungen zu vermeiden. Die räumliche Trennung wird dabei
durch angelegte Hecken mit ausreichend Sichtschutz gewährleistet.
Es wird jedoch vermieden, dass Herden mit Zuchtbullen nebeneinander
stehen.

Mutterkühe beim Grasen im trockenen Sommer 2003
Durch die guten Boden- und Futterverhältnisse auf unseren Weiden
erreichen die Jungrinder schon eher höhere Gewichte als in der
Heimat Schottland. Das Erstbelegungsalter für Galloways soll
laut Literatur bei ungefähr 350 kg oder 24 Monaten liegen. Da in
unserem Betrieb dies Gewicht aber schon mit 19 oder 20 Monaten
erreicht wird, wird die Belegung meist eher durchgeführt,
welches ein früheres Erstkalbealter zur Folge hat.

Unser Zuchtbulle Gold Mercur mit einigen Kühen
Die aus dem Südwesten Schottlands stammende klein- bis mittelrahmige
Rinderasse wurde in den 70er Jahren nach Deutschland eingeführt
und ist mittlerweile überall verbreitet. Da die Tiere in der
Vergangenheit auch in Schottland genetisch wenig verändert
wurden, besitzen sie nahezu alle Eigenschaften, die für eine
artgerechte ganzjährige Freilandhaltung und eine ökologische
Grünlandbewirtschaftung erfolgversprechend sind. Eine hohe
Fruchtbarkeit, Leichtkalbigkeit und gute Muttereigenschaften sowie
eine geringe Todgeburtenrate sind Eigenschaften, die für eine
gute Wirtschaftlichkeit Voraussetzung sind. Darüber hinaus
benötigen die Tiere keine festen Ställe, sondern lediglich
etwas Schutz vor extremer Witterung und festen Untergrund bei der
Winterfütterung um einer Zerstörung der Grünlandnarbe
vorzubeugen.

Ein erst einen Tag altes Kalb
Eine besondere Bedeutung kommt dem Galloway aufgrund seiner
rassespezifischen Eigenschaften als Landschaftspfleger im
Naturschutz zu. Bei schwachem Weidebesatz unter 1.0 GVE und unter
Verzicht auf mineralischen Dünger ist in der Regel ein Anstieg
einer Vielzahl der Pflanzenarten um 30 - 40% zu verzeichnen. Die
geringen Trittschäden, der schonende Verbiß, die
Anspruchslosigkeit der Galloways bis zur Aufnahme von Binsen, Disteln
und vielen anderen Wildkräutern sind wichtige Forderungen der
Botaniker und Ornithologen im Natur- und Landschaftsschutz.
Neben dem positiven Einfluß auf die Flora hat die extensive Beweidung
mit Galloways ebenso positive Auswirkungen auf die Fauna. Bietet die
reichhaltigere Flora vielen Insekten und Schmetterlingen und damit
auch zahlreichen Vogelarten Nahrung, so sorgen die Exkremente der
Tiere für ein reichhaltiges Bodenleben, welches wiederum eine
wichtige Nahrungsgrundlage für viele Tiere und auch für
Zugvögel darstellt. Galloways sind mit ihrer ganzjährigen
Beweidung in Form einer Standweide ein Ersatz für die
Hütehaltung der Rinder in den vergangenen Jahrhunderten. Sie
können dadurch mithelfen, die durch die Industralialisierung der
Landwirtschaft hervorgerufenen Floren- und Faunenschnitte zu
vermindern.
Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler hat
anlässlich der Weltgallowaykonferenz im Jahre 1998 den
Ausspruch geprägt. „Das Galloway ist das Synonym für die
gemeinsame EU-Agrarpolitik.” Wir sollten uns klar darüber
werden, daß es nicht mehr lange möglich sein wird,
einerseits Steuermittel in Größenordnungen für
Flächenstilllegungen und andererseits für
Interventionskäufe auszugeben. Das Galloway ist nicht nur eine
sinnvolle, sondern auch eine wirtschaftliche Alternative im Konflikt
von Flächenstillegung und intensiver Landwirtschaft.